ISBN-13: 9783863564407 / Niemiecki / Miękka / 475 str.
Von einer Schnittstelle all der Klüfte, die Europa und die Welt auch heute furchen, handelt dieses Buch. Ein rumänischer Autor aus der zwischen Russland und den NATO-Staaten gebeutelten Republik Moldau erzählt von einer Kindheit in der Sowjetunion und einer Jugend, die mit der Jugend seines von der Sowjetunion befreiten Landes hätte zusammenfallen sollen. Dabei stellen sich die persönlichen und politischen "Befreiungen" als allenfalls notdürftig heraus. Die Geschichte greift herein in die Gegenwart, nichts ist ausgestanden - man muss weitererzählen in der Hoffnung, dass man sie, die Geschichte und das eigene Leben, in den Griff bekommt. Der Roman Tesut viu. 10 x 10 - Lebendiges Gewebe. 10 x 10 folgt dem Muster der Zehn Gebote (Dekalog) - jedes Kapitel entspricht einem Gebot -, ist jedoch auch eine postmoderne Replik auf das Decamerone und spielt in einem geschichtlichen Zeitraum von 40 Jahren (vom Tod des ersten Kosmonauten Juri Gagarin am 31. März 1968 bis zum 7. April 2009, dem Tag der sogenannten Twitter-Revolution in der Republik Moldau) sowie auf mehreren Kontinenten (Europa, Asien, Afrika), wobei es nicht vordergründig um die geopolitischen Umbrüche geht, sondern um den Bruch zwischen der "ersten schuhbewehrten Generation" (den zur Zeit des Stalinismus ausgebildeten Eltern) und den Kindern der "Perestroika".Zehn Einzelgeschichten werden miteinander verflochten wie in Italo Calvinos Roman Wenn ein Reisender in einer Winternacht und spiegeln das kollektive Drama der Bessarabier am Beispiel einer Familie, deren Name - Bajenaru (rumänisch: Flüchtling) - mit schicksalhafter Vorbedeutung avant la lettre aufgeladen ist und die zugleich die autoritäre Gesellschaft der UdSSR im Kleinen verkörpert. Das Erdbeben von 1977, die Große Nationalversammlung von 1989, der Dnjestr-Krieg von 1992, die Verwüstung des Parlaments- & des Präsidentensitzes in Ch-au, République de Mal de Vie, am 7. April 2009, aber auch die Deportationen & die von Staats wegen herbeigeführte Hungersnot der 40-er Jahre sind der historische Hintergrund für die Schlüsselerlebnisse der Hauptgestalt ...n (im Unterschied zu anderen Abkürzungen der Weltliteratur auf den Anfangs- wird der Name der Gestalt auf den Endbuchstaben mit Auslassungszeichen verkürzt zum Zeichen der Erniedrigung, die ihm in der Gesellschaft widerfährt): der erste Schultag (an dem das "Kind seiner Eltern" sich mit einem Mal zum "Enkel von Iljitsch" verwandelt sieht); die erste Studentenliebe, in die ein KGB-Offizier gnadenlos eingreift; die (dokumentarisch belegte!) Schreckensgeschichte eines rumänischen Offiziers, der, in einem bessarabischen Dorf der 30-er Jahre stationiert, der Schwarzen Magie anheimfällt; der böse Streich, den eine Postangestellte verliebten jungen Leuten unfreiwillig spielt, wobei ein zufällig gefallenes & und falsch gedeutetes Wort zu einer wahren Familientragödie führt (ähnlich wie im Scherz oder dem Buch vom Lachen und Vergessen von Milan Kundera); die Begegnung (die ein Leben hätte verändern können, wenn man es zugelassen hätte) einer adelsstämmigen jungen Frau mit dem großen Sänger Fjodor Schaljapin in Chisinau vor der Wende zum 20. Jahrhundert, geschildert aus der Perspektive einer Achtzigjährigen, die sich den Mangel an Entschlusskraft von einst nicht verzeihen kann; das Treffen mit einer Kriegsveteranin, die während der großen stalinistischen Säuberungen in Moskau in die Falle eines selbstgebauten Labyrinths und schließlich als politische Gefangene in den Gulag gerät, wo sie die ehemalige Ehefrau von Molotow, die strahlende Polina Schemtschuschina, kennenlernt; nicht zuletzt ein Kriegsgericht, das zur Zeit des bewaffneten Konflikts am Dnjestr seiner Tätigkeit nachgeht, usw. usf. In postmoderner Manier geht es in dem Roman über etliche Etagen treppauf, treppab wie in einem Stich von Escher, dahinter steht der Grundgedanke, dass die Welten - oben/unten, diese/jene, parallel/verwoben, real/virtuell usw. - untereinander kommunizieren. Jenseits der rein formalen Eigen