ISBN-13: 9783638762564 / Niemiecki / Miękka / 2007 / 28 str.
Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,5, Albert-Ludwigs-Universitat Freiburg, 10 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Bernhard Schlink befasst sich in seinem Roman Der Vorleser intensiv mit der Schuldfrage. Vor allem anhand seiner beiden Hauptfiguren, Hanna und Michael erortert er wodurch man sich am Geschehen des Zweiten Weltkrieges mitschuldig macht. Michael wird als passiver Schuldiger dargestellt, da er sich in eine ehemalige Aufseherin eines KZ-Lagers verliebt. Brisanter wird das Thema der Schuldfrage in Bezug auf die Aufseherin selbst. Hanna Schmitz ist Analphabetin und war an den Taten des Zweiten Weltkrieges durch ihre Arbeit als Aufseherin aktiv beteiligt. Schlink bringt uns diese Person auf eine ganz ungewohnte Art und Weise nahe, namlich indem er sie uns nicht als herzloses Monster vorstellt, sondern indem er uns nach und nach Sympathie fur sie entwickeln lasst, bevor er uns in ihr dunkles Geheimnis einweiht. Schlink leitet somit eine neue Art der Konfrontation mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ein. Wurde zuvor meistens der Konflikt mit der eigenen Familie in Bezug auf die Taten des Zweiten Weltkrieges gesucht, so finden wir hier eine neue Art der Auseinandersetzung: die eines Jungen mit seiner Geliebten. Auf diese Art wird die Distanz, die zuvor durch die sogenannte Vaterliteratur zur Tatergeneration aufgebaut wurde, abgebaut. Es ergibt sich eine ganz neue Perspektive auf die Schuldfrage. Schlink stellt Hanna nicht als klischeehafte Nazi-Verbrecherin dar, reduziert sie aber auch nicht auf eine simple Sympathiefigur, wodurch er den Leser dazu auffordert sich selbst ein Bild uber diese Frau zu machen und sich ernsthaft mit ihr und ihren Taten auseinander zu setzen. Hinzu kommt der Analphabetismus als Behinderung, die verschiedene Handlungen von Hanna Schmitz erklart. Ob man diese Behinderung allerdings als Verminderung ihrer Schuldfahigkeit ansehen soll, bleibt