Der erlesenen Reihe der in Zeiten von Covid-19 wiederentdeckten Seuchenliteratur gilt es mit der Neuedition von Christoph Geisers Romandebüt Grünsee ein weiteres Werk der jüngeren Literaturgeschichte hinzuzufügen. Der erstmals 1978 publizierte Text markiert Geisers internationalen Durchbruch als Schriftsteller und bildet den Auftakt seines bei Leserschaft und Kritik gleichermassen gefeierten autobiographischen Schreibprojekts »Rückkehr zur Herkunft«, das über vier Jahrzehnte nach Erscheinen nichts von seiner Faszinationskraft verloren hat. Vor der symbolträchtigen Kulisse des...
Der erlesenen Reihe der in Zeiten von Covid-19 wiederentdeckten Seuchenliteratur gilt es mit der Neuedition von Christoph Geisers Romandebüt Grünsee...
In Brachland, 1980 erstveröffentlicht, knüpft Christoph Geiser nahtlos an das in Grünsee begonnene autobiographische Dekonstruktionsnarrativ an und rückt den »Zerfall der Familie« nun vollends in den Mittelpunkt, weshalb bald von den »Basler Buddenbrooks« die Rede war. Brachland kann mit Recht als einer der herausragenden Familienromane der Schweizer Literatur bezeichnet werden. Am schillernden Beispiel seiner baselbernischen Herkunftsgeschichte legt der Ich-Erzähler Stück für Stück die sowohl Heuchelei und Verdrängungsmentalität als in vielerlei Hinsicht auch Lieb- und...
In Brachland, 1980 erstveröffentlicht, knüpft Christoph Geiser nahtlos an das in Grünsee begonnene autobiographische Dekonstruktionsnarrativ an und...
Mitten im Boom der Erinnerungsliteratur und Familienromane erschien 2013 ein Buch mit einem aufsehenerregenden Untertitel: »Kein Familienroman«, deklariert Christoph Geiser auf dem Cover von Schöne Bescherung. Gesetzt wird diese Lektüreanweisung ausgerechnet von jenem Autor, der mit seinen frühen Werken Grünsee (1978) und Brachland (1980) die wichtigsten Familienromane der jüngeren Schweizer Literatur schuf. In der Tat findet Geiser in Schöne Bescherung zu einem neuartigen erzählerischen Umgang mit Erinnerung, mit der eigenen Herkunftsidentität und vor allem der eigenen Endlichkeit....
Mitten im Boom der Erinnerungsliteratur und Familienromane erschien 2013 ein Buch mit einem aufsehenerregenden Untertitel: »Kein Familienroman«, dek...
In einer kühnen Tiefenbohrung verbindet Christoph Geiser 1992 autobiografischeErfahrungen in Berlin mit historischen Figuren, in denen sich der innere Widerstreitseiner Wünsche spiegelt: Goethe und D.A.F. de Sade. In einem Ausbruchvulkanischer Fantasie lässt Geiser die beiden gegensätzlichen Geister auf demVesuv zusammenprallen.Et in Arcadio ego: Diesen Traum des Bildungsbürgers, der auf Goethes Spurendurch Italien wandelt, hatte Sade nämlich in einen Albtraum verwandelt und dieKlassik durch die Wiederkehr der orgiastischen Antike gesprengt. Im Zerrspiegelder Berliner Clubkultur...
In einer kühnen Tiefenbohrung verbindet Christoph Geiser 1992 autobiografischeErfahrungen in Berlin mit historischen Figuren, in denen sich der inner...
Nach den spektakulären Ausflügen der Vorgängerromane in die BilderweltenCaravaggios und de Sades kehrt Christoph Geiser 1995 zu seinem autobiographischenStoff zurück und schreibt mit Kahn, Knaben schnelle Fahrt seinen Comingof-Age-Roman, seine ganz persönliche »éducation sentimentale«. In der neuenWohnung der Mutter, einem Zuhause, das nicht mehr das seine ist, begegnet derErzähler sich selbst als Kind: der Fotografie eines 14-Jährigen mit großen, abstehendenOhren und störrisch verstörtem Blick. Wie es zu diesem Portrait gekommenist, weiß er nicht mehr. Aber er erinnert sich an...
Nach den spektakulären Ausflügen der Vorgängerromane in die BilderweltenCaravaggios und de Sades kehrt Christoph Geiser 1995 zu seinem autobiograph...
Der »Regelverstoß« Desaster bildet den Abschluss von Christoph Geisers Trilogiedes Scheiterns (Die Baumeister, Über Wasser). Erneut begleiten wir einen gealtertenWir-Erzähler in annähernd totaler Verinnerlichung, eine Schriftstellerexistenz,der das literarische Schreiben Daseins- und Erregungszustand geworden ist. DerEinbruch der Wirklichkeit durch 9/11 drängt zu poetologischen Legitimationsbemühungen,die das Schriftsteller-Wir veranlassen, das eigene Schreiben, Lebenund vor allem Begehren an der politischen Vergangenheit und Gegenwart zuüberprüfen. Birgt das homoerotische Reden um...
Der »Regelverstoß« Desaster bildet den Abschluss von Christoph Geisers Trilogiedes Scheiterns (Die Baumeister, Über Wasser). Erneut begleiten wir ...
Der Band enthält zwölf Texte, die während einer Amerika-Reise und einem anschließendenAufenthalt als Stadtschreiber in Dresden entstanden sind. »Passagen«, das bedeutet nicht nur, auf einem Containerschiff von Europa nachAmerika zu fahren und wieder zurück, das bedeutet zugleich auch, dass dieWörter, die Motive und Themen von einem Kontinent zum andern wandern undauf witzige Weise in der alten Welt wiederkehren, nämlich hauptsächlich auf Bildern,so wie das Schiff und das Wasser auf Ludwig Richters Überfahrt am Schreckenstein.Amerika, »Gottes eigenes Land« erweist sich zunehmend...
Der Band enthält zwölf Texte, die während einer Amerika-Reise und einem anschließendenAufenthalt als Stadtschreiber in Dresden entstanden sind. »...