ISBN-13: 9783824440498 / Angielski / Miękka / 1990 / 250 str.
Der Auslandsberichterstattung ist nicht nur eine Informationsaufgabe zugedacht. Sie soll daruber hinaus zum Abbau nationaler Selbstbezogen heit beitragen und realistische Weltvorstellungen fordern (vgl. KOSCH WITZ 1979, 466). Leider erfullt sie dieseAufgabe meist nicht und wartet haufig mit Stereotypisierungen auf, wo sie sachkundig erklaren sollte. Dieser Umstand ist besonders problematisch angesichts der Tatsache, dass Verstimmungen im internationalen Bereich mitunter nicht auf der Grundlage nationaler Interessengegensatze entstehen, sondern sich an verzerrten Images entzunden (vgl. MALLINCKRODT 1980,44). Ein Beispiel dafur ist die polemische deutsch-franzosische Ausein andersetzung im September/Oktober 1977, in deren Mittelpunkt mas sive Kritik an der Deutschlandberichterstattung der franzosischen Presse stand. Angesichts der deutsch-franzosischen Beziehungen nimmt die vorlie gende Arbeit daher diese Situation zum Anlass, das Deutschlandbild in franzosischen Zeitungen zu analysieren und dabei Stereotypisierungen exemplarisch zu untersuchen. Zuvor soll das grosse Gebiet der Stereotypenforschung vorgestellt und der geschichtliche Hintergrund der franzosischen Deutschland-Stereoty pen erhellt werden. 1. Nationale Stereotypisierungen in Massenmedien Noch im vorigen Jahrhundert waren die Moglichkeiten eines Burgers der sich industrialisierenden Welt, etwas uber das Geschehen ausserhalb der Grenzen seines Nationalstaats zu erfahren, ausserst beschrankt. Das Sammeln von Primarerfahrungen, etwa durch Reisen, war Minderhei ten vorbehalten, auch der Erwerb von Sekundarerfahrungen, etwa durch Bucher oder Zeitschriften, war nicht allen Bevolkerungsschichten ver gonnt. Erst die Entwicklung der Telegraphie (vgl. DESMOND 1978, 131 ff. ) und in ihrem Zuge die Entstehung der Massenpresse gestatteten dem Burger einen vergleichsweise preiswerten und muhelosen Zugang zu Informationen aus anderen Lan