ISBN-13: 9783732219292 / Niemiecki / Miękka / 2013 / 80 str.
Mit Gurten ans Bett gefesselt, mit Spritzen ruhiggestellt, in Massenschlafsalen abgefertigt: Es ist noch nicht so lange her, dass solche Erfahrungen zum Alltag von Psychiatrie-Patienten gehorten. Die Leidensgeschichten vieler Betroffener sind bis heute unerzahlt. Und trotz aller Fortschritte im klinischen wie im sozialen Alltag werden psychisch kranke Menschen noch immer stigmatisiert. Dieser Bericht einer Psychiatrie-Erfahrenen will beides: Betroffenen eine Stimme geben und Vorurteile abbauen. Direkt aus dem Erleben heraus beschreibt Heinke Pieper, wie sie 1978 als Teenager mit den Symptomen ihrer Krankheit konfrontiert wird. Vom fruhen Tod ihrer Mutter aus der Bahn geworfen, landete sie erstmals in der Nervenklinik - der Beginn einer langen Odyssee durch diverse offene und geschlossene Einrichtungen. Die Symptome ihrer Krankheit schildert die Autorin dabei ebenso ungeschont wie die menschenunwurdige Behandlung in den Kliniken und die Reaktionen eines oft hilflosen oder gleichgultigen privaten Umfelds. Bis sie wie eine mundige Patientin behandelt wird, sollen uber zwanzig Jahre vergehen. Die klare, schnorkellose Sprache ermoglicht dem Leser ein direktes Einfuhlen in die Situation. Zugleich erzahlt das Buch an einem eindringlichen Beispiel die Geschichte der Psychiatrie in Deutschland von Ende der 1970er Jahre bis heute - und damit ein bedeutsames Stuck bundesdeutscher Sozialgeschichte. Nicht zuletzt widmet sich die Autorin auch dem sensiblen Thema der Erfahrungen psychisch erkrankter Mutter. Gerade hier will ihr Buch aufrutteln und aufklaren, aber auch Mut machen.