ISBN-13: 9783484820821 / Niemiecki / Twarda / 1995 / 326 str.
Trotz umfangreicher Vorarbeiten ist die Sozialgeschichte Roms in der fruhen Neuzeit noch wenig erforscht. Dies gilt insbesondere fur die innerstadtische Kriminalitat, obwohl der Wert der Kriminalitatsforschung fur die Sozialgeschichte in aueritalienischen Arbeiten eindrucksvoll belegt ist. Die Untersuchung setzt an der uberreichlichen Quellenuberlieferung aus der Arbeit der romischen Kriminalgerichte an, die den Zugang durch ihre Struktur wesentlich erleichtert. Zum Ausgangspunkt wurde die Justizreform Pius' IV. gewahlt, zum Schludatum die Wahl Sixtus' V. Damit umfat die Untersuchung die Pontifikate auf dem Hohepunkt der Gegenreformation. Dennoch zeigt sich die Delinquenzlandschaft der Ewigen Stadt obrigkeitlichen Eingriffen gegenuber kaum beeinflubar, auch nicht unter dem rigorosen Pius V. Vielmehr zeigt die romische Kriminalitat in weitaus hoherem Ma als bisher bekannt Gewaltdelinquenz als persistierende Lebensform. Im Verhaltnis zur viel geringeren Einwohnerzahl hat die romische Gewaltkriminalitat die alltagliche Gewalt moderner Grostadte eingeholt und uberholt. Wahrend die Eigentumsdelinquenz deutlich erst auf dem zweiten Platz folgt, spielten materielle Motive ihrerseits eine uberragende Rolle bei der Genese der romischen Alltagsgewalt, besonders das allgegenwartige Schuldenproblem. Deutlich lat sich eine offen ablehnende Haltung weiter Bevolkerungskreise gegen die Arbeit der Justiz und ihrer Organe erkennen, die wahrscheinlich auf die Spur der Entstehung des bis heute in Italien spurbaren Phanomens der omerta fuhren kann.