ISBN-13: 9783640484997 / Niemiecki / Miękka / 2009 / 28 str.
Praktikumsbericht / -arbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Afrikawissenschaften, Note: gut, Universitat Wien (Afrikanistik), Veranstaltung: Seminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Otto Bauer, der pragende Mann des Austromarxismus in der ersten Republik und Bruno Kreisky, der Jung-Sozialist der 1930-er Jahre und die pragende Gestalt der Sozialdemokratie der 2. Republik haben sich nur einmal getroffen, geistig und ideologisch wurde Kreisky durch Bauer geformt. Dies zeigt sich auch in vielen Reden Bruno Kreisky, in denen er sich immer wieder auf Otto Bauer beruft, wie zum Beispiel am 11. Juni 1970 beim Parteitag der Sozialistischen Partei Osterreichs, wie sie damals noch hie. Dort verwert sich Kreisky gegen die An- und Untergriffe der politischen Gegner, die die SPO mit dem Vorwurf des "Austromarxismus" in die Nahe der kommunistischen Gesinnung rucken wollten. Gerade in heutigen Tagen einer gewissen Rehabilitierung der wirtschaftlichen Thesen von Karl Marx mag dies interessant klingen, hatte damals aber harten ideologischen Hintergrund. Kreisky argumentierte in der Rede, dass "der Austromarxismus nichts anderes war als der Versuch der sozialdemokratischen Interpretation der Lehren des Marxismus war." Er fuhrt dann Jean-Paul Sarte an, der "etwas langer gebraucht hat, aber ein Groer dieser Schule war," und beruft sich dann explizit auf Otto Bauer und dessen Abgrenzung zum Bolschewismus: "Otto Bauer schreib schon 1920, dass die Herrschaftsorganisation der Sowjetburokratie beginnt, sich vom proletarischen Mutterboden loszulosen, sich zu verselbststandigen. Sie droht zu einer selbststandigen, despotischen Macht zu werden, die uber den Klassen zu stehen glaubt." Und diese Abgrenzung zum Bolschewismus und Kommunismus russischer Pragung vereinten das Denken Bauers und Kreisky, wobei ersterer der Lehrmeister war. Wie noch gezeigt wird, war es ausschlielich die Stellung zu Deutschland, die einen geistigen Zwiespalt brachte.