ISBN-13: 9783531172262 / Niemiecki / Miękka / 2010 / 303 str.
ISBN-13: 9783531172262 / Niemiecki / Miękka / 2010 / 303 str.
Ob Pippi Langstrumpf, Tom Sawyer oder Emils Detektive, schulschwanzende Kinder und Jugendliche sind in der klassischen Literatur oft Abenteurer, die durch ihre Taten und Erlebnisse den Leser zum Schmunzeln bringen. Was im 18. und 19. Jahrhundert noch humoristisch beschrieben wurde, hat Anfang des 21. Jahrhunderts einen anderen Tenor. Schulschwanzen wird zum Medienere- nis. So schreibt der Kolner Stadtanzeiger "Alles ging den Bach runter - Kinder schwanzen zunehmend die Schule" (Ksta 15. 07. 2002), die Suddeutsche Zeitung titelt "Schulsport Blaumachen" (Suddeutsche Zeitung 15. 02. 2000), und dem WDR zufolge liegt das "Schwanzen im Trend" (WDR 22. 02. 2002), Spiegel Online betont "Schwanzer sind Storenfriede" (Spiegel 22. 02. 2002) und der Fokus warnt "Schulschwanzer riskieren Lehrstelle" (Fokus 13. 05. 2007). Trotz der Tatsache, dass in vielen Medienberichten von einer Zunahme des Sch- schwanzens berichtet wird, ist unklar, ob diese Aussage zutrifft oder nicht, denn letztlich fehlen reprasentative Daten, die eine solche Darstellung zulassen w- den. Auch die relativ abgesicherten Kenntnisse uber eine Zunahme der Anz- gen und Bugeldbescheide (Bundesministerien des Innern und der Justiz 2001: 1 557 oder Bezirksregierung Dusseldorf 2001) sagen nichts uber die Entwicklung des Schulschwanzens aus, da auch angenommen werden kann, dass sich nur das Anzeigenverhalten verandert hat, nicht aber das eigentliche Schwanzen. Ferner hangt die Zahl der Bugeldbescheide auch von behordeninternen Regelungen ab, die sich auf die Meldepraxis der Schulen auswirken konnen, ohne dass sich die Verbreitung des Schulschwanzens verandert haben muss.