ISBN-13: 9783565204618 / Niemiecki / Miękka / 140 str.
Es gilt als das älteste Lebensmittelgesetz der Welt und als heiliger Gral der deutschen Braukunst: das Reinheitsgebot von 1516. Doch der Kulturhistoriker Tobias Lechner schenkt in "Das Märchen vom reinen Bier" reinen Wein ein. Er enthüllt, dass das bayerische Gesetz ursprünglich absolut nichts mit Gesundheitsschutz oder Qualitätssicherung zu tun hatte.Lechner belegt, dass Herzog Wilhelm IV. das Gesetz primär erließ, um den Preis zu kontrollieren und Weizen sowie Roggen für die Bäcker zu sichern, um Hungersnöte zu verhindern. Brauer sollten zwangsweise auf die weniger wertvolle Gerste ausweichen. Zudem ging es um ein staatliches Monopol auf Gerste und Hopfen.Das Buch trauert auch der verlorenen Vielfalt nach. Vor 1516 war Bier ein kreatives Gebräu, gewürzt mit Kräutern, Beeren und psychoaktiven Pflanzen (Grutbier). Das Reinheitsgebot löschte diese Tradition aus und zementierte die Monokultur, die wir heute kennen. Lechner zeigt, wie das Gesetz im 20. Jahrhundert von der Industrie als genialer Marketing-Mythos neu erfunden wurde, um ausländische Konkurrenz fernzuhalten. Eine nüchterne Betrachtung eines nationalen Heiligtums.
Es ging nicht um Qualität, es ging um Brot und Steuern. Wie ein bayerisches Gesetz die Biervielfalt tötete und zum Marketing-Mythos wurde.