ISBN-13: 9783656229124 / Niemiecki / Miękka / 2012 / 60 str.
ISBN-13: 9783656229124 / Niemiecki / Miękka / 2012 / 60 str.
Examensarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Note: 2,0, Universitat Kassel, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Funktion eines Gerichtsverfahrens besteht aus juristischer Sicht primar in der "Durchsetzung der objektiven Rechtsordnung." Das beinhaltet im Anschluss an die Feststellung des individuellen Straftatbestandes eine gerechte also rechtmaige Bestrafung des Taters. Somit hat ein Gerichtsverfahren neben der juristischen Funktion ebenso eine gesellschaftliche Funktion: Es stellt die Suhne des Verbrechens durch den Tater sicher. Der Oradour-Prozess 1953 in Bordeaux, bei dem Angehorige eines SS-Verbandes wegen Mordes an 642 Bewohnern eines kleinen franzosischen Dorfes - dem Massaker von Oradour - angeklagt waren, hatte groe Schwierigkeiten diesen Anforderungen gerecht zu werden. Die Tatsache, dass in diesem SS-Verband Franzosen aus dem Elsass am Massenmord beteiligt waren, machte es dem Gericht, durch den sich daraus entwickelnden innerfranzosischen Eklat, beinahe unmoglich, ein von aueren Umstanden unabhangiges und vor allem rechtmaiges Urteil zu fallen. Juristisch fute der Prozess namlich auf einem auerst umstrittenen Fundament: der nach dem Oradour-Massaker benannten "lex Oradour"-Verordnung, die das Prinzip der Kollektivschuld ermoglichte. Die Elsasser sind zum Groteil in die SS zwangsrekrutiert worden, weshalb der Prozess in Bordeaux von Protesten von elsassischer Seite gegen die Gleichbehandlung mit den Deutschen begleitet war. Die Frage, die der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt, lautet: Wie reagierte die deutsche Offentlichkeit angesichts dieser widrigen Begleitumstande auf das Gerichtsverfahren in Frankreich, bei dem die Hinterbliebenen der Opfer einhellig die Todesstrafe fur alle deutschen und franzosischen Angeklagten forderten?