ISBN-13: 9783656397977 / Niemiecki / Miękka / 2013 / 24 str.
Studienarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Geschichte - Sonstiges, Note: 2,0, Martin-Luther-Universitat Halle-Wittenberg (Geschichte), Veranstaltung: Seminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Wurde in der heutigen Zeit jemand auf die Idee kommen, sich um die Gunst zu streiten, Frau Merkel morgens das Handtuch reichen zu durfen, nachdem sie sich das Gesicht gewaschen hat? Sicher nicht, dies wurde als grobes Eindringen in die intimste Privatsphare empfunden werden. Umso befremdlicher erscheint es, dass sich um genau solche und ahnliche Vorrechte vor etwas mehr als 300 Jahren Herzoge und Fursten am Hofe Ludwigs XIV. von Frankreich regelrecht rissen. Diese zur Zeremonie erhobenen Handlungen waren unter dem Begriff Lever (zu Deutsch: das Aufstehen) bekannt. Nun konnte man sich dazu verleiten lassen, das Lever als ein Phanomen eines hochgezuchteten Hoflebens abzutun. Doch das ware eine allzu eindimensionale Abhandlung des Themas. Man darf nicht vergessen, dass es keine Erfindung des "Sonnenkonigs" war. Sich als Konig von hohen Adeligen bei taglich wiederkehrenden Handlungen des Alltags bedienen zu lassen, verfugte bereits zu seiner Zeit uber eine lange Tradition - nicht nur im franzosischen Konigshaus. Hinter dem allmorgendlich stattfindenden Ritual um das sich Erheben des Konigs von der Nachtruhe steckt mehr als die aus heutiger Sicht oftmals befremdlich offentliche Selbstinszenierung sogenannter absolutistischer Herrscher. Die Forschung hat das Ritual des Lever lange stiefmutterlich behandelt. Norbert Elias Werk "Die hofische Gesellschaft," veroffentlicht 1969, gab erstmals eine vertiefende Interpretation zu unter anderem diesem Thema ab. Er geht davon aus, dass der Konig seinen Hof durch von ihm genau berechnete Gunstzuweisungen oder deren Entzug unter Kontrolle brachte, um eine maximale Einflussnahme zu erreichen und die Machtbalance zu seinen Gunsten ausschlagen zu lassen. Dem Adel bescheinigt er weitgehende Hilflosigkeit gegenuber dem Monarchen. Elias unterstellt