ISBN-13: 9783954259465 / Niemiecki / Twarda / 2017 / 292 str.
ISBN-13: 9783954259465 / Niemiecki / Twarda / 2017 / 292 str.
Die in der Bundesrepublik Deutschland existierenden Grosskirchen werden in der Nachfolge Max Webers fur gewohnlich als 'organisierte Heilsanstalten' beschrieben. Als solche haben sie die Heilswahrheiten, deren Verbreitung und Bewahrung ihnen aufgetragen ist, nicht nur als museale Bestandsmassen zu tradieren, sondern mussen den Geltungsglauben dieser Lehren in ihren Anhangern erst einmal auf Dauer verankern. Insoweit sind Kirchen zentrale Instanzen sekundarer Sozialisation. Damit geraten sie notgedrungen in den Fokus sozialwissenschaftlicher Analysen. Ebenso notgedrungen stehen sie damit aber vor der Alternative, sich gegen deren empirische Einsichten in verstockter Uneinsichtigkeit zu sperren oder aber mit deren Art sakularer Aufklarungstatigkeit gemeinsame Sache zu machen. Dieses Dilemma wird vor allem an den Produkten konfessioneller Publizistik ablesbar. Tatsachlich ist die konfessionelle Zeitschriftenliteratur im Vergleich zu den modernen Massenmedien nicht in der Lage, Sicht- und Signalkontakt zur modernen Welt, somit auch nicht zu den Bedurfnissen ihrer Leser zu halten. Statt auf Basis transparenter Informationsbeschaffung 'Volks'-Aufklarung zu betreiben, hat sie sich mehr und mehr zu einer Art provinzieller Konsonanzpublizistik ruckentwickelt. Insoweit Deutschland noch immer konfessionell zweigeteilt ist, sind auch die Mitglieder beider Kirchen hierzulande noch immer sozialpsychologisch gleichsam gespalten, weil in ihrer Identitatsbildung behindert. Das macht sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar. So haben es die Mitglieder beider Konfessionen im Verhaltnis zueinander noch immer mit auffalligen Imageproblemen zu tun, was sich an zahlreichen Befunden aus der empirischen Umfrageforschung belegen lasst. Die konfessionellen Meinungsprofile, die in diesem Zusammenhang entwickelt werden, sprechen insoweit eine uberdeutliche Sprache. Unaufgehoben zwiespaltig ist auch das Verhaltnis zwischen Oben und Unten, zwischen Amtskirchen und 'einfachen' Glaubigen, den sog. Laie"